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„Dynamiken der Macht“ war das Motto des 55. Historikertags, der vom 16. bis 19. September 2025 in Bonn stattfand. Am Rande des Kongresses traf die Mitgliederversammlung des ausrichtenden Verbandes der Historikerinnen und Historiker Deutschlands (VHD) dabei eine wegweisende Entscheidung: Das alle zwei Jahre stattfindende Treffen heißt ab der kommenden Auflage „Tag der Geschichtswissenschaft“. Als solches findet es erstmals im September 2027 in Heidelberg statt, dann unter dem Motto „Rückschritte – Fortschritte“. Wir haben die Verantwortlichen im VHD, Prof. Dr. Antje Flücht
Nach dem Scheitern der Revolution von 1848/49 suchten tausende Revolutionäre in den USA eine neue Zukunft. Auf der Flucht mussten sie nicht nur ihre Heimat, sondern oft auch Besitz, Freunde und Verwandte zurücklassen. Welche Rolle spielte die Familie bei diesem transatlantischen Neuanfang? Und wie prägten Ehefrauen und Kinder die Erinnerung an die Revolution und ihre Ideale? Diesen Fragen geht die Historikerin PD Dr. Sarah Panter in ihrem Buch „Revolutionäre Familien. Die transatlantischen Leben der ‚Achtundvierziger/ Forty-Eighters‘, 1848/49–1914“ nach. In dieser Ausgabe von „
Die Kontroversen, die sich an der Erinnerungskultur in Deutschland entzünden, reißen nicht ab. Der „Historikerstreit 2.0“, die Debatte um die Gedenkstättenkonzeption des Bundes oder Protestaktionen wie zuletzt „Kufiyas in Buchenwald“ sind nur einige Beispiele. Mit den Historikern Dr. Janosch Steuwer (Köln) und Dr. Per Leo (Berlin) blicken wir in der neuen Ausgabe von „Zu Gast bei L.I.S.A.“ zunächst zurück: Unter welchen Bedingungen entstand die Erinnerungskultur und wie wurde sie zur bestimmenden Form der Auseinandersetzung der Deutschen mit dem Holocaust und der nationa
Wieso machen immer mehr Deutsche ihr Kreuz bei der AfD? Warum wählen viele Menschen eine Partei, die – zumindest auf den ersten Blick – gegen ihre eigenen Interessen handelt? Diese Fragen treiben derzeit große Teile der politischen Öffentlichkeit um. Nicht selten wird zur Erklärung auf psychologische Deutungen zurückgegriffen: „falsches Bewusstsein“ lautet dann der Befund; für den Politikwissenschaftler Philip Manow eine irreführende Psychopathologisierung und Ausdruck einer verkürzten Analyse. In seinem neuen Buch „Spaltungslinien“ entwickelt Manow eine alternative Deutun
Dr. Barbara Schäfer-Siems und Prof. Dr. Peter Schäfer haben ihr wissenschaftliches Leben der Judaistik gewidmet. In der neuen Ausgabe von „Zu Gast bei L.I.S.A.“ blickt das Wissenschaftlerpaar auf die gemeinsamen Stationen: die Studienjahre im Israel der 1960er Jahre, die Professuren Peter Schäfers in Berlin und Princeton und schließlich seine Zeit als Direktor des Jüdischen Museums in Berlin. Ein Gespräch über das aschkenasische Judentum, den Zionismus, glückliche Fügungen und Niederlagen.
Was bedeutet Zeitgeschichte – traditionell verstanden als „Epoche der Mitlebenden“, wie Hans Rothfels sie prägte – in einer Zeit, in der die Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs und des Holocaust zunehmend verschwinden? Wie verändern sich Themen, Methoden und Quellen der Zeitgeschichte unter diesen Bedingungen – und wie behauptet sie ihren wissenschaftlichen Anspruch in der kritischen Auseinandersetzung mit konkurrierenden gesellschaftlichen Deutungsangeboten? Darüber sprechen wir mit Prof. Dr. Isabel Heinemann, seit Oktober 2025 Direktorin des Instituts für Zeitgeschichte Münche
Mit dem Zeithistoriker Dr. Carlos Alberto Haas, seit 2025 Geschäftsführer des Historischen Kollegs in München, blicken wir auf die eigene Biografie: Carlos Alberto Haas wurde 1985 in Guatemala geboren, doch bereits im Alter von drei Monaten an Adoptiveltern nach Deutschland vermittelt. In der neuen Ausgabe von „Zu Gast bei L.I.S.A.“ erzählt er, was ihm seine guatemaltekische Herkunft heute bedeutet. Ein Gespräch über Identität, das Einwanderungsland Deutschland und die Erinnerung an den Holocaust in einer postmigrantischen Gesellschaft.
Modernisierung, Rationalisierung, Differenzierung, Individualisierung, Säkularisierung, Globalisierung: Die Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts wird gerne entlang umfassender Prozessbegriffe erzählt, mit deren Hilfe mal mehr, mal weniger weitreichende Zeitdiagnosen formuliert werden. Diese „Meistererzählungen“ jedoch bringen ein erhebliches geschichtsphilosophisches Gepäck mit sich, das, so die Ansicht des Soziologen Prof. Dr. Wolfgang Knöbl, Direktor des Hamburger Instituts für Sozialforschung, kritisch reflektiert werden muss. In dieser Ausgabe von Zu Gast bei L.I.S
Wie standen die Deutschen wirklich zum NS-Regime und zu Hitlers Herrschaft? Dieser Frage geht der Historiker Prof. Dr. Peter Longerich in seinem neuen Buch „Unwillige Volksgenossen“ nach. Dafür hat er mehrere tausend Seiten offizieller Stimmungsberichte von Gestapo, SD und anderer Behörden des nationalsozialistischen Staates ausgewertet. Welche Eindrücke diese Quellen vermitteln und welche Schlussfolgerungen sich daraus ziehen lassen, darüber haben wir mit dem Historiker in einer neuen Folge von „Zu Gast bei L.I.S.A.“ gesprochen.
Wie standen die Deutschen zum nationalsozialistischen Regime? Und wie lässt sich das überhaupt ermitteln? Diese Frage beschäftigt die Geschichtswissenschaft schon seit langem. Mit seinem Buch „Unwillige Volksgenossen“ hat der Historiker Prof. Dr. Peter Longerich nun einen neuen Versuch zur Klärung vorgelegt, wobei er sich insbesondere auf die offiziellen Lage- und Stimmungsberichte stützt. Demzufolge war die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit dem Regime deutlich größer als bisher angenommen. In der neuen Ausgabe von „Zu Gast bei L.I.S.A.“ setzen sich die Historiker Prof. Dr
Evangelikale Reformbewegungen – ja, religiöse Bewegungen insgesamt – scheinen in den Vereinigten Staaten von Amerika auf dem Vormarsch zu sein: Sie betreiben TV-Sender und Universitäten, organisieren Massenveranstaltungen und nehmen Einfluss auf Präsidentschaftswahlen. Manche Beobachter sehen die USA bereits auf dem Weg in eine Theokratie. Das steht nur scheinbar im Widerspruch zu den Vorstellungen einer fortschreitenden Säkularisierung und der Durchsetzung von Vernunft in der Moderne. Über das Verhältnis von Religion und Moderne, die politische Kultur in den USA und die historisc
Wer von Demokratie und Diktatur spricht, meint damit in den meisten Debatten ein unversöhnliches Gegensatzpaar. Doch etablierte sich die strikte Unterscheidung in zwei konträre Herrschaftsformen erst im frühen 20. Jahrhundert; auch später blieb die Grenzziehung in Deutschland immer wieder Aushandlungsprozessen unterworfen. Die Historikerin Dr. Claudia C. Gatzka (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) plädiert dafür, diese Abgrenzung einem genaueren Blick zu unterziehen. Denn auch zur Demokratie gehören mitunter Elemente, die diktatorische Züge tragen, während Diktaturen nicht un
Wer im 19. oder frühen 20. Jahrhundert ein Werk zur Militärgeschichte aufschlug, betrat eine Welt von Schlachtenlinien, Marschplänen und Generalsnamen. Krieg erschien als Drama der Feldherren, aufgeführt auf den Bühnen von Austerlitz, Sedan oder Verdun. Verfasst wurden solche Werke meist von Offizieren für Offiziere, mit dem Ziel, erfolgreiche Taktiken zu erläutern und einmal begangene Fehler nicht zu wiederholen. Lange galt Militärgeschichte auch danach als etwas Verstaubtes, ja Unappetitliches. Im Gespräch mit dem Militärhistoriker Prof. Dr. Stig Förster fragen wir, wie angesichts der Rückke
Was erfährt man, wenn man mit den Mitteln der Philosophie über sich selbst nachdenkt? Wenn man die eigene Persönlichkeit, den eigenen Lebensweg zum Gegenstand theoretischer Suchbewegungen macht? Der Philosoph Prof. Dr. Peter Trawny (Bergische Universität Wuppertal) hat in seiner jüngst erschienenen Autobiographie „Aschenplätze“ den Versuch einer philosophischen Selbstauskunft unternommen. Er ist überzeugt, dass Selbsterkenntnis nicht ohne Gegenüber, nicht ohne „Du“ möglich ist. Über die Potenziale und Risiken dieses Projekts, das Aufwachsen im Ruhrgebiet und Anregungen vo
Nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs sollte der neu gegründete Völkerbund den Weltfrieden sichern. Den Kriegsverlierern wurden strenge Auflagen gemacht, die eine Wiederbewaffnung und neue Kriege verhindern sollten. Rüstungsproduktion und Waffenhandel sollten kontrolliert und reguliert werden. Doch die Widersprüche zwischen imperialistischen Interessen, antikolonialen Bewegungen und revanchistischen Bestrebungen verhinderten eine stabile internationale Friedensordnung. Der Historiker PD Dr. Daniel Stahl (Universität Erlangen-Nürnberg) hat sich mit den Versuchen befasst, den inter
Für den Soziologen Niklas Luhmann war die Herausbildung einzelner gesellschaftlicher Teilsysteme wie Politik, Wissenschaft, Recht, Kultur oder Wirtschaft, die nicht mehr von übergreifenden Sinnzusammenhängen erfasst werden können, der zentrale Schlüssel zum Verständnis der modernen Gesellschaft. Aber lässt sich mithilfe der Theorie funktionaler Differenzierung auch die neuere deutsche Geschichte beschreiben? Der Historiker Prof. Dr. Benjamin Ziemann von der University of Sheffield hat sich in seinem jüngst erschienen Buch „Gesellschaft ohne Zentrum“ auf dieses Wagnis einge
LTI – Lingua Tertii Imperii nannte der Romanist Victor Klemperer sein 1947 erschienenes Werk über die Sprache des Nationalsozialismus. Mit dem Titel verwies er auf ein zentrales linguistisches Merkmal, das ihm während der Jahre des „Dritten Reiches“ auffiel: die inflationäre Verwendung von Abkürzungen wie BDM, HJ oder KdF. In seinem „Notizbuch eines Philologen“ hielt Klemperer zahlreiche weitere Charakteristika der NS-Sprache fest. Doch LTI ist kein Lexikon im klassischen Sinne, sondern eine Sammlung ethnografischer Beobachtungen und sprachkritischer Reflexionen. In eine
Bei der jüngsten Bundestagswahl stieg die Wahlbeteiligung erneut an und erreichte mit 82,5 Prozent den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung. Ist diese Entwicklung ein Indikator dafür, dass sich die Bürgerinnen und Bürger von ihren Abgeordneten gut vertreten fühlen? Oder sollte es bei demokratischer Repräsentation auch darauf ankommen, wer eigentlich das Volk vertritt, also aus welchen Bevölkerungsgruppen die Volksvertreter stammen? Müssten Frauen, Migrantinnen und Migranten oder Menschen mit niedrigen Bildungsabschlüssen gemäß ihres Anteils an der Bevölkerung i
Mit dem Buch Wir Kinder vom Bahnhof Zoo wurde die drogenabhängige Jugendliche Christiane F. zum Sinnbild einer von Drogen gezeichneten Jugend der 1970er und 1980er Jahre. Bis heute prägt ihr Bild die gesellschaftliche Vorstellung von Sucht in Deutschland. Doch historisch hat Sucht viele Gesichter: Ob die Opium konsumierende Apotheker-Gattin um 1900, der mit Pervitin versorgte Frontsoldat im Zweiten Weltkrieg oder der koksende Manager der 1980er Jahre. In einem Werkstattgespräch mit Prof. Dr. Annelie Ramsbrock (Universität Greifswald) diskutieren wir, wie Sucht in unterschi
Waren die deutschen Universitäten Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft? Wie erfolgte ab 1933 ihre Einbeziehung in die NS-Diktatur? Und wie positionierten sich die einzelnen Fachbereiche und Wissenschaftszweige – von den Geisteswissenschaften bis zur Medizin – gegenüber Ideologie und Krieg? Diese Fragen haben wir in einer neuen Folge von Zu Gast bei L.I.S.A. anhand des Beispiels der Universität zu Köln mit dem Historiker Prof. Dr. Hans-Peter Ullmann (Köln) erörtert. Dabei wird auch die Stellung der Kölner Universität als Großstadtuniversität und als „Kind
Eigentlich wollte sich Theodor W. Adorno im Sommerurlaub von den Strapazen und Konflikten mit den revoltierenden Frankfurter Studenten erholen, als er in den Schweizer Alpen unerwartet einem Herzinfarkt erlag. Sein plötzlicher Tod im Sommer 1969 markierte eine Zäsur – sowohl für die sogenannte Frankfurter Schule als auch für die Bundesrepublik. Adornos Schülerinnen und Schüler verstreuten sich daraufhin über das ganze Land, von Lüneburg bis zum Starnberger See. Während einige sein geistiges Erbe selbstbewusst weiterführten, setzten andere an, die Kritische Theorie neu zu interpretieren und wei
Über das Scheitern der Weimarer Republik und den Aufstieg des Nationalsozialismus sind viele Bücher geschrieben worden und doch treibt Historikerinnen und Historiker die Frage nach den Gründen dafür immer wieder von Neuem um. So auch Prof. Dr. Gerd Krumeich (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf), Experte für die Geschichte des Ersten Weltkriegs. In einer neuen Veröffentlichung plädiert er dafür, ebenjenen Weltkrieg und seine Nachwirkungen als Faktor für Hitlers Erfolg deutlich höher zu gewichten. Als Belege dienen ihm das Kriegergedenken und die Kriegsnarrative in der Weimarer Republ
Wie lässt sich von einem Verbrechen erzählen, dessen Ausmaße einem schier die Sprache verschlagen? Vor dieser Frage standen die Überlebenden des nationalsozialistischen Völkermords an den europäischen Juden nach 1945. Seitdem sind verschiedene Bezeichnungen aufgekommen, von denen „Holocaust“ und „Shoah“ heute am häufigsten verwendet werden. Was aber bedeuten diese Begriffe? Und was kennzeichnet sie als Namen? Darüber haben wir in einer neuen Ausgabe von Zu Gast bei L.I.S.A. mit der Sozialpsychologin und Kulturwissenschaftlerin Prof. Dr. Kristin Platt gesprochen. Wir haben die Leite
Abraham und Moses, Jesus und die Apostel, Mohammed und seine Nachfolger: Wer die großen monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam begründete, wann und wie sie entstanden sind, scheint klar. Dass die Religionen erst rund 900 Jahre alt sein sollen, klingt daher kurios. Um aber zu verstehen, wie sich die Glaubensgemeinschaften herauskristallisierten, muss man in das Mittelalter blicken – davon ist Dorothea Weltecke, Professorin für Europäische Geschichte des Mittelalters an der Humboldt-Universität zu Berlin, überzeugt. In dieser Ausgabe von Zu Gast bei L.I.S.
Heute beginnt in Singapur die Schachweltmeisterschaft. Bis zum 13. Dezember und in maximal 14 Partien ringen der amtierende Weltmeister, der Chinese Ding Liren, und sein Herausforderer, der erst 18-jährige Dommaraju Gukesh aus Indien, der der jüngste Schachweltmeister aller Zeiten werden könnte, um den Titel. Anlässlich dieses sportlichen Großereignisses haben wir den Althistoriker und Internationalen Meister im Schach, Prof. Dr. Christian Mann (Universität Mannheim, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Gerda Henkel Stiftung), zum Gespräch über das „Spiel der Könige“ – und an das Sch