
Episodes
Reading the feed…

Reading the feed…
Wer im Fußballstadion war, hat es vielleicht selbst erlebt: Die eigene Mannschaft schießt ein Tor, ekstatischer Jubel, der plötzlich jäh abbricht, weil der Schiedsrichter auf dem Platz sich ans Ohr greift. Denn der VAR, sprich der Videoassistent, hat sich per Funk gemeldet – Verdacht auf eine Abseitsstellung oder ein Handspiel. Das Versprechen bei der Einführung des Videoschiedsrichters war: Eindeutigkeit. Was der Schiedsrichter auf dem Platz übersieht, am Fernseher aber zu sehen ist, wird nun entsprechend korrigiert. Ende der Diskussion. Die Praxis aber sieht anders aus. Die Debatten um Entsc
Der Ararat ist mit über 5.000 Metern der höchste Berg der Türkei. Der an der Grenze zu Armenien gelegene Berg birgt in seinem Gletscher ein bislang unerschlossenes Archiv der Kultur- und Klimageschichte. Um herauszufinden, welche historischen Informationen das Eis bereithält, unternahm der Archäologe Prof. Dr. Achim Lichtenberger im Juli gemeinsam mit einem internationalen und interdisziplinären Forschungsteam und mit Unterstützung der Gerda Henkel Stiftung eine Expedition auf den Ararat. Auf über 5.000 Metern untersuchte das Team den Gletscher zwei Wochen lang mit Georadar und Seismik und suc
Der lang erwartete und im Vorfeld schon vielbesprochene Film „Odyssee“ des US-amerikanischen Regisseurs Christopher Nolan ist inzwischen in den deutschen Kinos angekommen. Diskutiert wird unter anderem darüber, wie originalgetreu die Umsetzung des Homerschen Epos ist, ob die Besetzung der Protagonisten gelungen ist, wie stimmig Rüstungen, Schiffe oder Topographien sind usw. Von dem Althistoriker Martin Zimmermann von der LMU München wollten wir nicht nur seine Sicht auf diese vordergründigen Themen haben, sondern vielmehr wissen, wie sich inhaltlich Homers Odyssee zu der Nol
Ende Juni ist im Berliner Bode-Museum ein schon länger und mit Spannung erwartetes Gemälde enthüllt und vorgestellt worden: das Porträt der früheren Kanzlerin Angela Merkel als die jüngste Ergänzung in der Reihe der bisher sieben Kanzlerporträts für das Kanzleramt. Erstellt hat es der deutsch-französische Maler Jérémie Queyras. Wir wollten vom Kunsthistoriker Prof. Dr. Andreas Beyer wissen, wie er nicht nur Angela Merkels Kanzlerporträt einschätzt, sondern die Kanzlergalerie insgesamt. Und: In welche Tradition der Herrschaftsrepräsentation speist sich eine solche Ahnenreihe in Form von Porträt
Mit Jürgen Habermas und Alexander Kluge sind zwei der prägendsten Intellektuellen der Bundesrepublik innerhalb weniger Tage verstorben. Beide galten als Erben Theodor Adornos – und standen doch für sehr unterschiedliche Wege kritischer Theorie: hier der Systemdenker, dort der Filmemacher. Im Gespräch mit dem Historiker Jörg Später fragen wir, wie Habermas und Kluge die Nachkriegsgeschichte geprägt haben und was von ihrem Denken und Wirken bleiben wird.
Thora Pindus (Philipps-Universität Marburg) forscht in ihrem Promotionsvorhaben zur Entstehung des syrischen Sicherheitsapparats zwischen 1945 und 1990 und der Rolle, die Exil-Nazis dabei spielten. Für Archivrecherchen war sie Anfang 2026 für mehrere Wochen in Syrien. Im Interview berichtet sie über ihre Erfahrungen: Wie sie im Land gereist ist, welche Begegnungen sie in Archiven in Homs und Damaskus gemacht hat und welche neuen Forschungsmöglichkeiten sich nach dem Sturz Baschar al-Assads eröffnen. Thora Pindus ist Promotionsstipendiatin der Gerda Henkel Stiftung.
Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) wurde 1952 gegründet. Sie hat die Aufgabe, das demokratische Bewusstsein in Deutschland zu fördern und die Bereitschaft zur politischen Mitarbeit zu stärken. Schon seit den Anfangstagen haben dieser Auftrag und die Arbeit der bpb aber immer wieder Kritik hervorgerufen. Auch in jüngster Zeit ereilt die bpb bisweilen der Vorwurf, nicht unabhängig zu sein, ja Staatspropaganda zu betreiben. Der Historiker PD Dr. Tim Schanetzky (KWI Essen) hat das Ringen um die politische Bildung in einem soeben erschienenen Buch untersucht. Wir haben ihn gefra
Otto von Bismarck gilt als die Überfigur des 19. Jahrhunderts und des Deutschen Kaiserreichs. Und obwohl das Deutsche Reich ein Kaiserreich war, steht dessen Namensgeber Kaiser Wilhelm I. im tiefen historischen Schatten des „Eisernen Kanzlers“. Wilhelm, so die gängige Erzählung, sei ein schwacher Monarch gewesen, nicht mehr als eine Symbolfigur für das neue Reich, während Bismarck als dessen eigentlicher Architekt gilt. Zu dieser Wahrnehmung trug – vermeintlich – nicht zuletzt der Kaiser selbst selbst bei: Soll er doch geäußert haben, es sei nicht leicht, unter Bismarck Kaiser zu sein. Doch en
In wenigen Tagen beginnt in Bonn der 55. Deutsche Historikertag. Die viertägige Konferenz der deutschen Historikerinnen und Historiker steht in diesem Jahr unter dem Motto „Dynamiken der Macht“. Für uns Anlass, einen Blick auf die besondere Geschichte der Stadt am Rhein zu werfen, denn auch Bonn hatte eine rund 50-jährige Liaison mit der Macht, als Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis 1999. Aber wie hat diese Zeit Bonn geprägt – und umgekehrt Bonn den Blick der Deutschen auf ihre Demokratie? Und was bleibt von den alten Bonner Hauptstadtzeiten, jetzt, wo der P
In weniger als zwei Wochen startet in Bonn der 55. Deutsche Historikertag. Unter dem Motto „Dynamiken der Macht“ trifft sich die deutsche Geschichtswissenschaft vom 16. bis zum 19. September in der ehemaligen Bundeshauptstadt zum größten Fachkongress seiner Art. Warum ausgerechnet die Kaffeeversorgung zur größten Herausforderung wurde und welche Programmpunkte besondere Highlights versprechen, darüber haben wir mit dem Geschäftsführer des Historikertags, PD Dr. Yaman Kouli, gesprochen.
Die Demokratie ist in Gefahr – so liest und hört man es in vielen aktuellen Gegenwartsanalysen. Aber was genau dabei gefährdet ist, darüber scheiden sich die Geister. Die einen sehen im Aufkommen von Populisten die zentrale Bedrohung für die Demokratie, andere in einer zunehmenden Kluft zwischen Arm und Reich oder in einer Krise des Liberalismus und seiner Institutionen. Es gäbe an dieser Stelle noch viele weitere Erklärungsversuche aufzuzählen. Der Philosoph Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin von der LMU München verfolgt in dieser Debatte einen eigenen Ansatz, demnach insbesondere die Rationalität
Der Donnerstagnachmittag eines Historikertages ist im Programm fest vergeben: Mitgliederversammlung des Verbands der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD). In der Zeit finden keine Sektionen statt, der Verband konkretisiert sich als Versammlung seiner Mitglieder. Aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie ist das heute nicht möglich - der 53. Historikertag, der in dieser Woche in München hätte stattfinden sollen, wurde frühzeitig abgesagt und musste auf das nächste Jahr verschoben werden. Was dann genau geplant ist, darüber haben wir in einem Telefoninterview mit der Verbandsvorsitze
Was kann ich wissen? Das ist eine der vier berühmten Fragen des Philosophen Immanuel Kant. Doch bevor man darauf eine Antwort finden kann, muss man sich darüber Klarheit verschaffen, was Wissen überhaupt ist. Woher kommt es? Ist es die Wissenschaft, die Wissen erzeugt? Oder verhält es sich eher umgekehrt - ist Wissen die Triebfeder der Wissenschaft? Aber was ist dann Wissenschaft? Und wie verlässlich ist das aus Wissenschaft erzeugte Wissen? Gerade heute, in Zeiten vieler und großer Unsicherheiten, werden diese Fragen wieder vermehrt gestellt und Verfahren, Ergebnisse und Handlungsempfehlungen
Die Wirtschaft liegt am Boden - alle üblichen Indikatoren sprechen dafür: national, europaweit, global. Welche Folgen die Wirtschaftskrise aber haben wird, das ist zurzeit nur schwer abzuschätzen. Die Staaten tun nun das, was sie glauben tun zu müssen: Die, die über Geld verfügen, machen die Schatulle auf und pumpen gewaltige Summen in Wirtschaftskreislauf und sozial abfedernde Maßnahmen, die selbst die Höhe während der Finanz- und Schuldenkrise von 2008 überstreffen. Völlig ungewiss ist dabei, ob die Maßnahmen ausreichen und was auf alle noch zukommt, sollte es eine zweite und dritte Corona-b
Als Wissenschaftsportal einer wissenschaftsfördernden Stiftung fragen wir uns in der Redaktion auch immer wieder, wem die ganze Wissenschaft eigentlich nützt. Muss sie überhaupt einem konkreten oder gar anwendungsnahen Nutzen verpflichtet sein? Oder ist Wissenschaft eher frei von solchen Nutzenerwägungen und genügt sich selbst? Der Deutsche Bundestag leistet sich mit seinen Wissenschaftlichen Diensten eine eigene Unterabteilung, die seinen Abgeordneten mit wissenschaftlichen Gutachten zur Verfügung steht. Zu welchem Zweck, fragen wir uns auch vor dem Hintergrund, dass Analyse der Wissenschaftl
Der britische Premierminister Boris Johnson hat mit seinem Vorgehen, die Parlamentspause entgegen des bisherigen Zeitplans um weitere fünf Wochen zu verlängern, für große Aufregung gesorgt. Während er selbst seinen Vorstoß als gängige parlamentarische Praxis betrachtet sehen möchte und dabei die Geschichte auf seiner Seite wähnt, sprechen politische Gegner des Premiers und Kritiker von „Skandal“, „Verfassungsfrevel“ oder gar von einem „Staatstreich“. In der ARD bezeichnete man gestern den Eingriff des Regierungschefs in den demoktratischen Prozess als „Parlamentsurlaub“ bzw. „Zwangsurlaub“. Be
Vor wenigen Tagen erschien unter dem Titel "Die enthemmte Mitte" die neueste Auflage der sogenannten Mitte-Studien. Seit 2002 erforscht eine Arbeitsgruppe an der Universität Leipzig in einem Langzeitprojekt rechtsextreme Einstellungen in Deutschland. Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass rechtes Gedankengut nicht nur ein Phänomen am "Rande" der Gesellschaft ist, sondern gesamtgesellschaftlich weite Verbreitung findet. Die Studie wird derzeit kontrovers diskutiert und ihre wissenschaftliche Grundlage zum Teil kritisiert. Wir haben mit einem der Herausgeber, dem Sozialpsychologen PD.
Geisteswissenschaftler? "Ewig am Studieren und nutzlos für die Wirtschaft" - so lautet das Urteil der Schweizerischen Volkspartei (SVP) nicht erst seit gestern. Der Vorwurf ist nicht neu und wird auch jenseits der rechtskonservativen Partei oftmals geteilt. Die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW) hat darauf immer wieder reagiert und die Bedeutung und Relevanz der Geisteswissenschaften in Stellungnahmen und Interviews vertreten - so unter anderem vor gut zwei Jahren bei L.I.S.A. Nun hat der Generalsekretär der SAGW, Dr. Markus Zürcher, eine gut dreißig Seiten st
Um den Rohstoff Baumwolle spann sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts ein globales Netzwerk aus Baumwollplantagen, Baumwollspinnereien und -webereien sowie aus Händlern und Käufern - ein Baumwollimperium, wie es der Historiker Prof. Dr. Sven Beckert von der Universität Harvard in seinem Buch King Cotton. Eine Geschichte des globalen Kapitalismus bezeichnet, beschreibt und ausführlich analysiert. Was auf den Baumwollplantagen in den US-amerikanischen Südstaaten von Sklaven gepflückt wurde, verarbeiteten im Vereinigten Königreich Heere von Männern, Frauen und Kindern in Fabriken, deren Erzeugniss
Was waren die 1970er Jahre, wenn man sie retrospektiv durch die Brille eines Intellektuellen betrachtet? Ein Jahrzehnt des Neomarxismus, die Dekade des Strukturalismus, Ausläufer des Modernisierungsparadigmas und Vorzeichen der Postmoderne? Unbestritten ist zumindest, dass die 1970er Jahre vor allem eine Zeitspanne umfassen, die theoriegesättigt war. Die entsprechende, arbeitsintensive Literatur hatte ihr Format im Taschenbuch gefunden. Ein Zeitzeuge und Mitgestalter dieses Jahrzehnts war Prof. Dr. Ulrich Raulff, heute Direktor des Deutschen Literaturarchivs Marbach. Wie er sich an die 1970er
Immer schärfe Displays, immer genauere Daten – die Digitalisierung der Welt ist geprägt von Drang nach immer höherer Auflösung. Aber beinhaltet dieser Prozess auch eine andere Form der Auflösung, nämlich die Beseitigung alter gesellschaftlicher Ordnungen? Der Journalist Dr. Christoph Kucklick sieht in der Doppeldeutigkeit des Begriffs der Auflösung das Grundmotiv einer sich abzeichnenden "granularen Gesellschaft". Er identifiziert eine grundlegende Umwälzung des menschlichen Miteinanders auf allen sozialen Ebenen. Wie lässt sich die granulare Gesellschaft verstehen? Wie beeinflusst die Digital
Im bayerischen Schloss Elmau haben sich in der vergangenen Woche die Staats- und Regierungschefs zum sogenannten G7-Gipfel getroffen, um sich über die aktuelle politische und wirtschaftliche Weltlage auszutauschen und gemeinsame Vorgehensweisen abzustimmen. Kritiker bezeichnen die G7-Treffen als exklusive Zusammensetzung der mächtigsten Staaten des Westens, deren Vertreter nicht legitimiert seien, die gesamte Welt zu repräsentieren. Zu den Kritikern gehört auch der Schweizer Soziologe Prof. Dr. Jean Ziegler. Er klagt in seiner neuen Publikation die gegenwärtige Weltordnung als kannibalisch und
Coltan, Niobium und Kassiterit gehören heute, im Zeitalter der Mobiltelefone, zu den begehrtesten Rohstoffen der Welt. Die bedeutendsten Vorkommen lagern im Ostkongo, wo seit mehr als zwanzig Jahren einer der blutigsten Kriege seit dem Zweiten Weltkriegs um die Kontrolle der Minen tobt. Außerdem kennzeichnet diesen Krieg die besonders unübersichtliche Gemengelege mit Blick auf die Konfliktparteien sowie die direkten und indirekten Interessen beziehungsweise Einflussnahmen. Diese freizulegen, hat sich der Schweizer Regisseur und Theaterautor Milo Rau in seinem aktuellen Film- und Theaterprojekt
Die Nachrufe auf Günter Grass in der vergangenen Woche konzentrierten sich vor allem auf sein Wirken als Schriftsteller, als Autor beispielsweise der Romane Die Blechtrommel und Ein weites Feld oder der Novelle Im Krebsgang. Charakteristisch an Grass' Werk ist seine künstlerische Auseinandersetzung mit der jüngeren deutschen Vergangenheit sowie mit aktuellen gesellschaftspolitischen Fragen. Von dem Historiker Prof. Dr. Paul Nolte von der Freien Universtät Berlin wollten wir wissen, wie er Günter Grass als Zeitzeugen und Chronist des 20. Jahrhunderts einschätzt.
Mali geriet in den vergangenen Jahren zweimal in den Fokus der Weltöffentlichkeit - im Zusammenhang mit dem Krieg im Norden des Landes und in Folge dessen, als gut 300.000 alte Handschriften aus dem kriegsnahen Timbuktu in die Hauptstadt Bamako überführt wurden, wo sie zurzeit restauriert und konserviert werden. Abgesehen davon ist es in unseren Breitengraden eher still um das westafrikanische Land, und die Kenntnisse über seine aktuelle Verfasstheit sowie seine lange Geschichte sind gering. Die Journalistin Charlotte Wiedemann hat Mali bereist und jüngst ihre Beobachtungen und Erfahrungen in