„Weil ich das Menschliche meide, wo ich kann, es ausrotte, wo ich es finde“. Nun hat Elfride Jelinek wahr gemacht, was sie einst selbstironisch und provokant über ihre Arbeit sagte. Es gibt keine Menschen mehr, wir sind „Unter Tieren“. Ist das das letzte Werk der Nobelpreisträgerin? Die Germanistin und Theaterwissenschafterin Pia Janke und der Regisseur Nicolas Stemann kennen die Nobelpreisträgerin und erzählen, was sie zu dieser Frage meinen. Darüber hinaus erzählt Pia Janke über ihre weltweite Tour zu österreichischen Kulturforen anlässlich des 80. Geburtstages von Elfriede Jelinek; Nicolas
Romeo Castellucci, Maxime Pascal und Philippe Sly bescheren Oliver Messiaens Saint François d´Assise einen unvergesslichen Abend in der Salzburger Felsenreitschule. Die drei Künstler erzählen auf wissensART über diese spirituelle Kunsterfahrung, die die Existenz des Menschen zutiefst berührt. Bassbariton Philippe Sly hat sich bei den Franziskanern in Salzburg mit seiner herausfordernden Rolle als heiliger Franziskus auseinandergesetzt und seine Erfahrungen in ein zutiefst berührendes Klangerlebnis umgesetzt. Sein Gesang, die Inszenierung, das Bühnenbild und die Lichtgestaltung von Romeo Castel
Kurz vor ihrem Rückzug aus der Theaterwelt ereilte Karin Bergmann der Anruf aus Salzburg; sie sollte Intendantin der Festspiele werden. Markus Hinterhäuser wurde beurlaubt, der Sommer stand vor der Tür, eines der größten Festivals stand ohne künstlerische Leitung da. Peng. Tollkühn übernahm Karin Bergmann die Gewerke, warf sich mit Verve in das Geschehen. Bis zu diesem Zeitpunkt mit Markus Hinterhäuser befreundet, dachte sie an ein Zusammenspiel in irgendeiner Art und Weise. Jedenfalls wollte sie das Programm, dass der Pianist und Intendant geplant hatte umsetzen; und sie macht das auch bravou
Benko und Peter Thiel, das sind die Inspirationsquellen von Elfriede Jelineks neuestem Stück „Unter Tieren“. Regisseur Nicolas Stemann hat Peter Thiel eingeladen und ist sich sicher, dass er in irgendeiner Art und Weise erscheinen wird. Ob gerade dann Zuschauerinnen oder Zuschauer den Saal verlassen werden, um einen Drink zu nehmen und wie lange sie das Geschehen auf der Bühne draußen verfolgen werden, ist ungewiss. Die Inszenierung wird den Charakter einer Aktionsversammlung haben, das Geschehen wird auf Monitore übertragen. Was Nicolas Steman bei der Urlesung im Wiener Burgtheater erprobte,
„Carmen ist bestimmt das dunkelste, das gefährlichste und das grausamste Werk des kommenden Sommers“ prophezeite der mittlerweile beurlaubte Intendant der Salzburger Festspiele Markus Hinterhäuser. Er sollte recht behalten. Gleich zu Beginn zeigt sich, in welch toxischer Machowelt das Stück angesiedelt ist. Karg die Landschaft, dunkel das Bühnenbild, sadistisch manche Soldaten. Gleich zu Beginn verprügeln sie einen Zivilisten, geben Straßenkindern grausamsten Schießunterricht, lehren sie aufeinander zu schießen. Gabriela Carrizo zeichnet für Regie und Choreografie verantwortlich. Sie kommt vom
Er spielte den Tod im "Jedermann" an der Seite von Peter Simonischek und Caliban in Shakespeares "Sturm", er brillierte als verlotterter Raskolnikow in Andrea Breths Dostojewski-Dramatisierung von "Verbrechen und Strafe" und als Kleists Achilles an der Seite von Sandra Hüller. In Peter Handkes vielfach preisgekröntem Familienepos "Immer noch Sturm" verinnerlichte er „mit virtuoser Zerbrechlichkeit“ das Erzähler-Ich. In diesem Festspielsommer ist Jens Harzer wieder zu Gast bei den Salzburger Festspielen: mit dem eindringlichen Monolog De Profundis nach Oscar Wilde – und in der Uraufführung von
In der Figur von Goethes Faust tritt uns der Archetyp des modernen, nach Wissen, Erfahrung und Erfüllung strebenden Menschen entgegen, den Ulrich Rasche in seiner Neuinszenierung auf der Perner-Insel als Manifestationen widerstreitender Kräfte zeichnen will. Seit dem 16. Jahrhundert gehört die Geschichte des Doktor Faust, der seine Seele dem Teufel verschreibt, zum festen Bestand der europäischen Kultur. In den frühen Fassungen fungiert er als warnendes Beispiel menschlicher Hybris: Wer sich über die göttliche Ordnung erhebt, endet in Verdammnis. Am Ende des 18. Jahrhunderts erfährt der Stoff
Die Zukunft der Kunst wird vermutlich durch eine zunehmende Zusammenarbeit zwischen Menschen und intelligenten Maschinen geprägt sein, denn die künstliche Intelligenz hat sich zu einem der disruptivsten Phänomene der modernen Kunstwelt entwickelt. Während Algorithmen erstaunlich authentische Bilder generieren und Auktionshäuser Millionenumsätze mit KI-Systemen erzielen, steht die Kulturszene vor einer existenziellen Frage: Ist das noch Handwerk oder schon eigenständige Kunst? Die Verschmelzung von Technologie und Schöpferkraft spaltete Kreative weltweit in begeisterte Pioniere und besorgte Kri
Es könnte einem das Herz brechen, wenn man erfährt, dass Empathie und Mitgefühl eine Angelegenheit des Gehirns und nicht der Seele sind. Genauso ist es mit der negativen Seite der Gefühle, dem Hass. Tania Singer die Neurowissenschaftlerin und Psychologin leitet innerhalb der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin die Forschungsgruppe soziale Neurowissenschaften. Dort beschäftigt sie sich seit vielen Jahren mit Emotionen, Empathie und Mitgefühl und schaut sich an, wie aus Hass Fürsorge werden kann. Leidenschaftlich baut sie Brücken zwischen jenen Bereichen, die normalerweise nicht miteinander intera
Ein Fest für Thomas Bernhard hat Karin Bergmann, die Leiterin des Schauspiels in Gmunden und Intendantin der Salzburger Festspiele für die Salzkammergut Festwochen Gmunden 2026 auf das Programm gesetzt. Das langjährige Burgtheatermitglied Sven-Eric Bechtolf spielt dabei mehrere Rollen. Gleich zu Beginn gibt der den Großindustriellen Rudolph Herrenstein. „Seit seinem Unfall ist dieser auf den Rollstuhl angewiesen. Mit zwei Angestellten lebt er in einem herrschaftlichen Appartement am Wiener Opernring, Blick auf die Staatsoper. Wien ist ihm unerträglich, darum packt er seine Koffer, nach Altauss
Der französische Compagnie-Geist prägt bis heute die Arbeiten von Cornelia Rainer. Dreimal hat die Regisseurin, Autorin und Speakerin bisher in französischen Theatern inszeniert. Jedes Mal wurde sie dabei von einem österreichischen Kulturforum unterstützt. Nun hat sie das Festival „Bühne der Macht©“ gegründet denn: Macht ist überall. Oft bleibt sie verborgen. Die „Bühne der Macht©“ macht sie sichtbar. Seit vielen Jahren beschäftigen sich Cornelia Rainer und Matthias Mamedof mit dem Thema, das oft tabuisiert wird: mit Macht. Mit ihren Chancen und Risiken, in friedlichen Verhandlungen wie in Kon
„Die ganze Welt ist Bühne“: Fotograf:innen bilden sie ab. Beziehungen halten die Welt am Laufen. Die beiden Preisträger des Wolf Suschitzky-Preises lichten sie ab. Der taiwanesische Künstler Jeremy Chih-Hao Chuang, der in Taipeh und London lebt, lädt in seine Serie „Ephemeral Intimacy“ die Betrachter ein, die Welt des modernen Datings als Bühne zu betrachten. Dort, wo sich persönliche und universelle Dramen entfalten, setzt er auch sich selbst in Szene, dokumentiert die flüchtigen und intimen Momente von Männern, die er über Online-Dating-Apps in London kennengelernt hat. Als Südostasiat, der
Der Ausgangspunkt war Ebensee. Im Rahmen eines Kulturfestivals putzten sich das Duo Honey & Bunny durch den Ort am Traunsee. Herausgekommen ist dabei ein Buch über die „Kulturtechnik des Putzens“. Der Bildband liegt seit geraumer Zeit in deutscher Sprache vor. Die englische Ausgabe wird Ende Juni 2026 im Kulturforum London präsentiert. Das Buch erzählt mehr als die Geschichte über die Drecksarbeit in fremden Haushalten; es veranschaulicht Sauberkeit als einen essenziellen Bestandteil von Zivilisation. Gesellschaftspolitischen Themen wie Schmutz und Sauberkeit, Familie, Feminismus und Patriarch
Farbenfroh ist die Unterhaltung, dramatisch die Handlung. Darüber streut der Autor, Filmemacher, Schauspieler, Regisseur und Maler Sandeep Kumar einen Hauch Humor. 2010 begründete er mit seinem ersten Spielfilm „Kesariya Balamdas“ das Genre „Austro-Bollywood“. Seither hat er acht Filme gedreht. Sie spiegeln gesellschaftliche Aspekte wider; sei es die der Frauen in Indien oder jene der Zeitungskolporteure in Wien. Dafür hat Sandeep Kumar zahlreiche Preise erhalten. In seinem letzten Film „Happy“ mit Lilian Klebow, Roland Düringer und Sahidur Rhamanan thematisiert er eine besondere Beziehung zwi
Abenteuer und Leidenschaft sieht die Künstlerin Andrea Bischof, wenn sie in den Himmel von Venedig schaut. Abgebildet findet sie diesen auch in den Bildern von Tintoretto, Tizian, Tiepolo und Veronese. Doch ganz anders als der Künstler Peter Baldinger „Verunklärt“ Andrea Bischof die Werke der Venezianer nicht, sondern schafft ein acht Meter langes, fast 2,70 m hohes Ölgemälde, das die einzigartigen Wolken Venedigs von Veronese auch aus der Nähe erkennen lassen. Ein Farbenrausch betört die Sinne. Zieht den Betrachter in das Bild hinein, regt die Fantasie an. Bei Peter Baldingers Werken muss man
Ruth Mateus-Berr, die zeitgenössische österreichische Künstlerin, Wissenschaftlerin und Universitätsprofessorin an der Universität für angewandte Kunst, hat viele Talente und ebenso viele Interessen. Ihre Konzeptkunst ist viel beachtet, wird an vielen Orten gezeigt. Ein Beispiel dafür ist ihr vom FWF gefördertes Projekt „D.A.S. Dementia. Arts. Society“. Für ihre Ausstellung im Kulturforum Rom hat sie sich der „Blumenmalerei“ zugewandt. Das klingt lieblich. Bei genauer Betrachtung zeigt sich jedoch der gesellschaftspolitische Konnex. Er weist auf die ökologischen Herausforderungen unserer Zeit
Die Reise ins Austrian Cultural Forum New York beginnt bäuchlings auf dem Bett liegend und einer Spritze in den Popo. Was dann geschieht, ist eine Reise in ein unbekanntes Land mit vielen Eindrücken und Erlebnissen. Irgendwann werden sie zu Papier gebracht, fließen die Gedanken in einen neuen Roman ein. Früh hat Marie In der Podcast-Serie, „Kunst im Gespräch“, kommen im zweiwöchigen Rhythmus all jene Künstlerinnen und Gamillschegg zu schreiben begonnen, war bereits in der Volksschule Mitglied der Jugend-Literaturwerkstatt-Graz, studierte nach der Matura Transkulturelle Kommunikation mit den Sp
Karin Bergmann leitet seit 2022 das Schauspiel bei den Salzkammergut Festwochen. Gut vernetzt in der Theaterwelt bringt sie Jahr für Jahr große Schauspieler und Schauspielerinnen an den Traunsee, macht ein Programm, das den Vergleich mit anderen Festspielen nicht zu scheuen braucht. Über 20 Jahre hat sie am Burgtheater in verschiedenen Funktionen gearbeitet, zuletzt als Direktorin. 5 Jahre lang hat sie das in Schieflage gekommene Haus wieder aufgerichtet. Das wusste auch Markus Hinterhäuser, der langjährige Intendant der Salzburger Festspiele. Für das Sommerprogramm 2026 tauschte er sich mit s
„Licht aus, aus, aus“ heißt ein Werk von Georg Baselitz gleich neben dem Eingang des zweiten Stockwerkes im Museum der Moderne am Mönchsberg in Salzburg. Dort ist dem Gegenwartskünstler anlässlich seines 88. Geburtstages eine Ausstellung gewidmet. Gezeigt werden Werke aus den Jahren 2015 bis heute. Mit Öl und Gold hat der Wahlsalzburger 2019 das Werk mit dem Titel „Licht aus, aus, aus“ geschaffen. Seine beiden Figuren sind auf den Kopf gestellt. Das macht Georg Baselitz seit den 1960er Jahren. Damals stellte er mit mehreren „Manifesten“ die Kunstwelt der Nachkriegszeit auf den Kopf. Es sind be
Überlegungen zu künstlerischen Fastentüchern von Erwin Wurm, Peter Baldinger und den Kreuzen von Arnulf Rainer im Wiener Stephansdom. 77 Kreuze des Künstlers Arnulf Rainer sind während der Fastenzeit im Wiener Stephansdom zu sehen. Es sind sieben Kreuze auf Holz sowie 70 Kreuz-Kaltnadelradierungen, die der Künstler von 1956 bis 2014 geschaffen hat. Die Werke im Stephansdom stammen aus der Sammlung Werner Trenker. Arnulf Rainer hatte kurz vor seinem Tod die Hängung seiner Kreuze im Wiener Stephansdom verboten. Sie hätten keinen religiösen Zusammenhang meinte der international bekannte Künstler.
„Wir müssen Frauenrechte immer und überall verteidigen: international, in Europa und auch in Österreich“, sagt Außenministerin Beate Meinl-Reisinger. Schon vor dem 8. März machte die „Auslandskultur“ im Außenministerium bei einer Netzwerkveranstaltung zum Internationalen Frauentag deutlich: „Frauenrechte gelten zu jeder Zeit und an jedem Ort! Die Gleichstellung der Geschlechter weltweit ist und bleibt ein Kernthema der österreichischen Außenpolitik“. Fünf Frauen aus unterschiedlichen Kulturen diskutierten anlässlich des internationalen Frauentages im Außenministerium das Thema Frauen, Frieden,
Mit Begeisterung wirbelt der Autor, Poetry-Slammer und Musiker Elias Hirschl Fakten und Visionen durcheinander. Sein Schreibstil beschränkt sich auf keine Technik. Für sein Feuerwerk an Geschichten verwendet er alle sich bietenden Möglichkeiten der Postmoderne und führt damit seine Leser mitunter in die Irre. Seine Satire „Salonfähig“ wurde jedoch von der Realität überholt und die „Slim-Fit-Politiker“ haben den Ingeborg Bachmann Publikumspreisträger berühmt gemacht. In seinem neuesten Buch „Schleifen“ hat sich Elias Hirsch mit der Sprachphilosophie des Wiener Kreises beschäftigt. Darin dreht s
„Gipsy Jazz“, Werke von Ceija Stojka und Gedichte von Johann Mongo Stojka in der österreichischen Botschaft in Paris. Etwa 500.000 Roma und Sinti wurden in den KZ der Nazis ermordet. Etwa 200 von ihnen lebten am Simmeringer Enkplatz 2 in Wien. 6 kamen aus Auschwitz-Birkenau zurück. Unter ihnen der Vater von Harri Stojka. Lange Zeit konnte und wollte er nicht über seine Erlebnisse sprechen, begegnete seinen Traumata mit Kunst. Er komponierte, schrieb Gedichte, auch ein Buch. Seinem Sohn Harri erlaubte er das zu machen, wovon dieser überzeugt war, Gitarre zu spielen bis die Finger rauchen. Ausge
„Wenn man ganz groß ist, darf man auch einmal klein sein.“ Wer war Thomas Bernhard, der diesen Satz zu seiner Halbschwester Susanne Kuhn sagte. Zweifelsfrei war er einer der bedeutendsten österreichischen Schriftsteller. Einer, der es sich selbst und seiner Umgebung nicht immer leicht gemacht hat. Einer der in seinen Theaterstücken die wunden Punkte der Österreicherinnen und Österreicher messerscharf beschrieben hat. Ein Schriftsteller, der in Claus Peymann, einen kongenialen Partner gefunden hat. Der Theatermacher, der von 1986 bis 1999 Direktor am Burgtheater war, hatte immer wieder Werke vo
Drei Wochen mit Thomas Bernhard in Torremolinos von Susanne Kuhn, mit Karikaturen von Nicolas Mahler und einem Gespräch zwischen Susanne Kuhn und dem Germanisten Manfred Mittermayer, erschienen im Korrektur Verlag. Drei Wochen lang hat Susanne Kuhn ihr Improvisationstalent im Süden Spaniens unter Beweis gestellt. Launen ertragen und ihre Ängste nicht gezeigt. Die Flugangst beispielsweise oder die Angst in einen Lift steigen zu müssen, erst recht die Angst aus einem Fenster eines hohen Stockwerks zu blicken. Im Gespräch mit Elisabeth J. Nöstlinger geht Susanne Kuhn weit über die Erlebnisse dies