Die Vereinigten Staaten von Amerika haben am 4. Juli 2026 den 250. Jahrestag der Unterzeichnung ihrer Unabhängigkeitserklärung aus dem Jahr 1776 gefeiert. Ein Gespräch über ihre derzeitige Regierungsform. Ausgehend von einem Text Brian Massumis und der außerordentlichen Intervention des US-amerikanischen Präsidenten in den Ablauf des Fußball-WM führen Birgit Langenberger und Herbert Hrachovec ein Gespräch über die politische Situation in den Vereinigten Staaten. Textgrundlage: Brian Massumi: Some Points about Contemporary Fascism in Critical Inquiry September 2025 Volume 52, Number 1pp. 151 –
Die französische Philosophin, Kommunistin und Christin Simone Weil hat in einer Betrachtung über die Ilias "die Gewalt" als deren Helden hervorgehoben. Sie schreibt damit auch davon, was aktuell die Weltlage bestimmt: dass Gewalt von Menschen ausgeübt und erlitten wird. Ihr Text ist die spannungsreiche Auseinandersetzung zwischen einem Trend zur Metaphysik und dessen Gegenstück, dem Entsetzen über Greueltaten. Herbert Hrachovec präsentiert und kommentiert Ausschnitte aus einer Lesung von Weils Text durch Birgit Heuser (https://www.youtube.com/watch?v=qVNumPF-nu4.) Das Vorschaubild zeigt ein De
Unter den Reaktionen auf den Tod Jürgen Habermas´ im März 2026 nimmt eine Podiumsdiskussion an der Universität Innsbruck eine besondere Stellung ein. Der Philosoph Stefan Gandler und der Soziologe Frank Welz beschreiben seinen enormen Einfluss auf die theoretische Entwicklung der deutschen Sozialwissenschaften, weisen aber auch darauf hin, dass diese Republik, sieht man auf ihre gegenwärtigen politischen Probleme, die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit nur teilweise bewältigt hat. Habermas ist in diesem Zusammenhang für sie der Respekt gebietende Vertreter einer n
Der Sozialanthropologe Florian Mühlfried interpretiert diesen vom Ethnologen Eric Gabel geprägten Terminus neu, indem er eine typologische Annäherung an die damit angesprochenen Phänomene vorschlägt. Ins Zentrum wird dabei der Begriff der Gleichwertigkeit gerückt.
Anerkennung kommt nicht von allein. Ihr geht eine Zustimmung voraus, ein Urteil. Es hätte negativ ausfallen können, als Akzeptanzverweigerung vor dem Urteil, genannt Vorurteil. In dieser Sendung geht es um Argumente gegen Vorurteile und das Abenteuer der Vorurteilslosigkeit. Vorurteile erweisen sich nicht nur als Fremdschädigung, sondern auch als Selbstverarmung. Anneliese Rieger-Roschitz erläutert im Gespräch mit Herbert Hrachovec ihre Arbeiten in diesem Forschungsgebiet. Literatur: Rieger-Roschitz, Anneliese: Vorurteilsfreie sinnliche Gewissheit. Die produktive Aufnahme der Vorurteilstheorie
In feineren Unterscheidungen im queeren Feld stellt die Asexualität die Psychoanalyse vor besondere Herausforderungen. Im Rahmen eines, von der Stadt Wien Kultur geförderten Workshops am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaft der Kunstuniversität Linz wurde auf diese Herausforderung in vier Vorträgen (von Insa Härtel, Olaf Knellessen, Ulrike Kadi und Beate Absalon) geantwortet. Die Sendung umfasst Teile der Vorträge, die in vollständiger Version demnächst in den texten (siehe https://www.passagen.at/serien/abo-texte/ ) veröffentlicht werden. Redaktion: Ulrike Kadi
2013 hielt Barak Obama vor dem Kongress eine Rede zur Erklärung und Rechtfertigung seiner Drohnenpolitik. Es war die Zeit terroristischer Angriffe in westlichen Staaten und er argumentierte, dass damit eine neue Art von Bedrohung eingetreten sei. Die alten Regeln des "humanitären Kriegsrechts" werden von den Gegnern etablierter Staaten nicht mehr eingehalten und diese müssen sich auf neue Weise verteidigen. Explizit schloss er aus, Kriegsgefangene ohne juridische Verfahren umzubringen und gegen zivile Ziele vorzugehen. Das war die Situation 2013, gegenwärtig sieht es anders aus. Staatsführer h
Thinking Nature lautet der Titel einer Vortrags- und Workshopreihe, die seit 2025 im Rahmen des Forschungskreises “Poststrukturalismus, Gender Theory, Psychoanalyse” am Institut für Philosophie an der Universität Wien stattfindet (Kuratierung: Eva-Maria Aigner und Ralf Gisinger). Am 16. Oktober 2025 war Didier Debaise zu Gast der Reihe mit seinem Vortrag: „From Nature to the Earthbounds: Rethinking the Adventure of the Moderns“. Die Sendung stellt das Projekt von Thinking Nature vor und lässt anschließend die Hörenden an dem Vortrag teilhaben. Sendungsgestaltung: Heidi Wilm Musik: „Home We’ll
Camilo Giraldo speaks with Anni Räty, Assistant Professor at the University of Vienna, about the duty of beneficence. We often think of giving to charity as generous but optional—something that earns admiration without being required. But what if this is mistaken? What if failing to help others, when we can, is morally wrong? Many philosophers have argued that we are obligated to do much more for others than we typically assume. Yet this duty raises difficult questions: how much are we required to give, whom should we help, and how should these demands be balanced against our own lives?
Daß alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung anfange, daran ist gar kein Zweifel ... Wenn aber gleich alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung anhebt, so entspringt sie darum doch nicht eben alle aus der Erfahrung Immanuel Kant macht zu Beginn seiner "Kritik der reinen Vernunft" deutlich, dass die Wirkung von Sinneserfahrungen unweigerlich mit der Betreffbarkeit der Betroffenen verbunden ist. Er schließt daraus, dass sie diese Erkenntnnis maßgeblich mitgestalten. Sie geben a priorische Bedingungen vor, unter denen ihre Umgebung für sie gegeben sein kann. Eine solche Kapazität ist in der Folge
not mad at you - Renée Good Wenn Philosophie aktuell sein will, gerät sie meistens ins Stottern. Das macht aber nichts. Denn angesichts der Ereignisse der letzten zwei Wochen ist es dringend notwendig, aus der Sprachlosigkeit herauszufinden und ein paar Gedanken auszutesten. Sie müssen nicht unbedingt richtig sein, aber sie können helfen, sich begreiflich zu machen, was gerade vor sich geht: ein Präsident, der verhaftet wird, die mögliche Annexion Grönlands und eine tote Frau. Die Rede wird sein von der Scheiße, der sprichwörtlichen wie der metaphysischen, die wir laut Milan Kundera gerne über
Europa ist zum Schauplatz eines anhaltenden, herkömmlichen Kriegs geworden. Staaten rüsten auf und Maßnahmen zur Verstärkung der Wehrpflicht werden unternommen. Jakob Frühmann und Lisa Tragbar, zwei Prädocs an der Universität Wien, stellen ihre damit verbundenen Forschungsprogramme vor. Der Bogen reicht von historischen und klassifikatorische Fragen bis zur Analyse des "peace-washings". Kriegerische Einstellungen werden mit Friedensrhetorik verbrämt. Musikquellen: „Quand je serai grand - Instrumental Version" by Löhstana David, lizenziert unter CC BY 3.0 „Je sais - Instrumental Version" by Löh
Auf den 4. Dezember 2025 fällt der 50. Todestag Hannah Arendts. Diesen Anlass markiert ein Gespräch zwischen Alice Pechriggl und Sabine Kock. Alice Pechriggl ist Professorin für Philosophie an der Universität Klagenfurt, Sabine Kock Philosophin und Kulturwissenschaftlerin, Autorin von "Topographie der Einbildungskraft. (Re-)Lektüre aus dem Diskurs des Gedenkens" (Wien 2022).
Eine Sendung, die den Tränen eines Mannes gewidmet ist, der wegen der Liebe weinen muss. Denkt er zumindest. Yaakov liebt nämlich eine Frau, die ihn nicht zurückliebt. Warum er trotzdem nicht weinen sollte, oder zumindest nicht ganz so viel, wie er es tut, dazu ein Kapitel aus dem neuen Buch von Miriam Metze zur unerwiderten Liebe, das 2026 bei Mairisch im Hamburg erscheint. Zitierte Literatur: Agamben, Giorgio: Das Abenteuer. Der Freund. A. d. Ital. v. Andreas Hiepko. Berlin: Matthes & Seitz 2018. Andreas-Salomé, Lou: Die Erotik. Hg. v. Kartl-Maria Guth. Berlin: Hofenberg 2016. Arendt, Hannah
Das Schlüsselwort "Bildung" wird vom platonischen Höhlengleichnis vorgebildet. Es steht für einen Lernprozess, der mit den Anforderungen der Kulturumgebung bekannt macht, und Wissen in eins mit Augenmaß bewirken kann. Nicht Schatten, sondern Transparenz, nicht Grobheit sondern überlegtes Urteil. Drei Vortragsmitschnitte von Herbert Hrachovec heben die Attraktivität, aber auch die Schwachstellen dieser Bildgeschichte hervor.
An den Grenzen zwischen Musik und Geräuschen hat sich im 20. Jahrhundert viel Neues entwickelt. Die Grenzen wurden infrage gestellt, überschritten und verwischt. In einem Workshop im Nitsch-Museum (Mistelbach) erzählte der Klangforscher Leopoldo Siano vom Hören in Neapel und davon, wie er es im Theater phonosophicum zusammen mit Shushan Hyusnunts erforscht. Geräusche aus Städten, Töne in der Natur, Klänge durch Vermischungen und auch einiger Lärm bilden das Substrat dieser Sendung. Anders als in anderen Radioproduktionen klingt auch der Raum mit seinem vielfältigen Rauschen mit. Mit Ausschnitt
Ein Gespräch mit der Philosophin Dr. Sonja Riegler über funktionalistische Ignoranz. Was, wenn Ignoranz nicht einfach eine Abwesenheit von Wissen ist, sondern gezielt als ein soziales Werkzeug zur Machterhaltung eingesetzt werden kann? Basierend auf aktuellen Debatten in der feministischen und politischen Erkenntnistheorie, entwickelt Dr. Sonja Riegler einen „funktionalistischen Ansatz zur Ignoranz“ (Riegler 2024) und argumentiert im Rahmen ihrer Dissertation, dass Ignoranz nicht bloß eine Abwesenheit von Wissen bedeutet, sondern als “substanzielle Erkenntnispraxis” (Alcoff 2007) verstanden we
Ein Gespräch mit Psychotherapeut Markus Hochgerner über Long Covid, ME/CFS und den Umgang mit chronischer Krankheit. In dieser Episode sprechen wir mit dem Wiener Psychotherapeuten Markus Hochgerner, der seit 2021 Long Covid* bzw. PAIS*-Betroffene in Gruppen begleitet. Offen teilt er bewegende Momente aus der psychotherapeutischen Praxis – und spricht über die psychischen und philosophischen „Brocken“, mit denen (chronisch) erkrankte Menschen konfrontiert sind. Was bedeutet es für Betroffene, wenn das bisherige Leben plötzlich zusammenbricht? Wie findet man einen Umgang mit einer Realität, die
Hermann Cohen (1842-1918) leitete Ende des 19. Jahrhunderts maßgeblich eine Rückbesinnung auf Immanuel Kant ein. Im Gegenzug zu dialektischen Welterklärungsmodellen knüpft er an Kants drei "Kritiken" an, legt ihnen aber -- anders als sein Vorbild -- bestehende gesellschaftliche Formationen (Mathematik, Naturwissenschaft, Religion, Jurisprudenz, Kunst) zu Grunde. Hartwig Wiedebach, Philosoph und Judaist, erläutert im Gespräch mit Herbert Hrachovec Cohens ethische und politische Entwürfe. Zur Zeit der deutschen Reichsgründung war Cohen überzeugter demokratischer Sozialist.
Anke Graneß ist Professorin am Institut für Philosophie, Universität Hildesheim (Kolleg-Forschungsgruppe der DFG "Philosophieren in einer globalisierten Welt"). Sie spricht mit Herbert Hrachovec über Ihren Artikel "Is the debate on 'Global Justice' a global one? Some Considerations in View of Modern Philosophy in Africa", in: Journal of Global Ethics, Vol. 11:1 (2015), pp. 126-140. DOI: 10.1080/17449626.2015.1010014. Erstveröffentlichung am 23.7.2017.
Ausgehend von den Erfahrungen eines vulnerablen Körpers, der unter dem Leistungsdruck des kapitalistischen Systems steht, beleuchten Jana Winter (Philosophie, Ethik und Medienaktivismus; Long Covid Austria), Duha Samir (interdisziplinäre, feministische Künstlerin; The Dusts Institute) und Zoe Gudovic (interdisziplinäre, feministische Künstlerin; Radio Orange) die vielen Ebenen des „Ausruhens“ als Akte des (inneren und äußeren) Widerstands in der heutigen Zeit (Vgl. Tricia Hersey: Rest is Resistance, 2024). Im Fokus stehen Themen wie die scheinbare „Anomalie“ und „Fehlbarkeit“ des Körpers, die
Feier von Sklaverei und Siedlerkolonialismus? Birgit Langenberger, Lektorin am Institut für Philosophie an der Universität Wien, skizziert die Entstehung der Bürgerrechtsbewegung in den USA und wirft anschließend einen Blick auf die aktuelle Situation in diesem Land. Sie diagnostiziert Ansätze zu einem erneuerten Menschenhandel. Unter freundlicher technischer Unterstützung durch Andrea Adelsburg und Herbert Hrachovec. Referenzen: “What to the Slave Is the 4th of July?”: James Earl Jones Reads Frederick Douglass’s Historic Speech, 'Democracy Now!',(4.7.2024), Creative Commons Lizenz CC BY-NC-ND
Zwei Beiträge zum Thema Produktivität im privaten Lebensraum. Sie hören zwei Vorträge, gehalten am IFK im Jahr 2023: Matthias Donabaum: "Haushalte(n). Historische Perspektiven auf eine zentrale Ordnungskategorie" sowie Michael Bies: "Basteln. Geschichte einer (vermeintlich) 'kleinen Tätigkeit'"
Anlässlich des Führungswechsels in der römisch-katholischen Kirche widmen sich Christian Wessely, (Theologie, Universität Graz) und Herbert Hrachovec dem medialen Umfeld, innerhalb dessen diese Episode zwangsläufig stattgefunden hat. Im Mittelpunkt steht in solchen Umbrüchen die Frage nach der Kongruenz zwischen der zu entscheidenden Neubesetzung und der Glaubwürdigkeit damit beauftragter Personen. Ein Rückblick auf die Tätigkeit Papst Franziskus' bringt in Erinnerung, wie eindrucksvoll er seine Begrüssung der versammelten Menge (13. März 2013) in seinem Pontifikat weitergeführt hat: "Brüder u
Gelehrte der Früh-Aufklärung wie Leibniz standen in regem Austausch mit den Jesuiten in China, und insbesondere Christian Wolff, der die erste in Latein verfügbare vollständige Übersetzung der konfuzianischen Schriften zeitlebens studierte, preiste in seiner „Rede über die praktische Philosophie der Chinesen“, den Einfluss der chinesischen Philosophie auf die Entwicklung seiner eigenen, praktischen Philosophie. Eine Rezeptionsgeschichte, die heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Musik: (1) LP : Lost on your (29 Rihanna: Diamond