Ein Mietboot, das wochenlang ungenutzt am äußersten Steg am Hafen von Peep'n'Brook lag, wird endlich von seinem Besitzer abgeholt, der sich mit einer längeren Geschäftsreise entschuldigt. Esel hilft aus Reflex beim Verladen der Ausrüstung. Als das Boot ablegt, muss Teddy die eine oder andere Träne verdrücken, weil ihn der leere Platz unfassbar rührt.
Jeden Dienstagabend veranstaltet das große Hotel eine Quizrunde, bei der Esel dank seines Gedächtnisses für Ortsnamen und Jahreszahlen verlässlich gewinnt. Heute tritt erstmals ein Gast an, der ihn ausgerechnet mit einer Frage zur Geschichte des Orts selbst schlägt. Teddy schafft es, seinen Freund zu rächen, indem er aus Versehen eine Tüte Popcorn umstößt – der Hauptpreis beim Quiz.
Im kleinen Postshop des Ortes gibt jemand eine gefundene Surfbrett-Finne ab, die morgens am Strand angespült wurde. Die Angestellte legt sie zu den anderen Fundsachen und vermutet, sie gehöre einem der Aussteiger, die jeden Sommer neu nach Peep'n'Brook kommen und wieder verschwinden. Esel nimmt sich vor, später noch mal nachzufragen, wird aber von etwas anderem abgelenkt. Teddy ist erleichtert.
Unter den Ladenbesitzern am Kai von Peep'n'Brook gibt es die Angewohnheit, sich am Ende eines langen Tages ein kleines, belangloses Geheimnis zu verraten – wer heimlich welche Musik mag oder welchen Stammgast am liebsten hat. Esel hört mit, dass der Besitzer des Tattoo-Shop jeden Sonnenuntergang fotografiert. Teddy findet, dass das gar nicht wie ein Geheimnis klingt, sondern einfach nur wie eine nette Angewohnheit.
Über der Cocktailbar an der Strandpromenade hängt seit Jahren ein handgemaltes Schild mit knallroten Buchstaben: »Not shaken, just stirred — or it'll turn as murky as the Pacific at low tide.« Ein neuer Aushilfsbarkeeper in viel zu weitem Palmenhemd ignoriert das aus Gewohnheit, weshalb Teddy seinen Cocktail reklamiert. Esel erklärt dem Kellner geduldig, wie man einen Deep'n'Schluck sauber zubereitet.
Zwei Gästegruppen haben versehentlich dasselbe Bootstour-Paket für denselben Nachmittag gebucht, weil das Buchungssystem kurzzeitig doppelt vergeben hat. Teddy vermittelt zwischen beiden, während Esel spontan eine zweite Route zusammenstellt. Am Ende sind beide Gruppen pünktlich und versöhnt abgefahren, nur mit unterschiedlichem Ziel.
Esel führt seit seiner ersten Ankunft eine private Liste kurioser Beobachtungen aus Peep'n'Brook: ein Flamingo mit Vorliebe für liegengelassene Sonnenbrillen, ein Jetski, der nur rückwärtsfährt, eine Strandbar mit Schneemann-Lichterkette. Teddy hält die Liste für überflüssig, gibt aber zu, dass sie sich gut macht, wenn das nächste Mal jemand nach einer Anekdote fragt.
Im kleinen Heimatmuseum von Peep'n'Brook hängt eine alte Postkarte, nur mit drei Herzen unterschrieben, adressiert an »die Menschen von hier«. Teddy liest sie Esel vor, weil sie ihm beim Warten auf die Fähre in die Hände fällt. Esel findet die Idee für eine Postkarte schön, fragt sich aber, wer so etwas verschickt, ohne zu wissen, wer es je lesen wird.
Ein Tourist fragt Esel an der Strandpromenade von Peep'n'Brook, ob der Ort wirklich nach einem Siedler benannt ist, der hier als Erster gestrandet sein soll. Teddy hält das für eine Geschichte, die sich irgendwann ein Fremdenführer ausgedacht hat, um die Frage nicht ständig neu beantworten zu müssen. Der Tourist zieht weiter, offenbar zufrieden mit jeder Antwort, solange sie nach Legende klingt.
Der Vater von Esel hat zwei Söhne, von denen einer nicht Teddy heißt, während Teddys Mutter einen Sohn hat, der weder Esel noch der andere Sohn von Esels Vater ist. Esels Mutter ist dabei nicht die Mutter von Teddy, aber trotzdem die Mutter eines Sohnes, dessen Vater nicht Teddys Vater ist. Teddys Vater wiederum hat einen Sohn, der Teddy heißt, und möglicherweise noch einen zweiten, der für dieses Rätsel keine Rolle spielt, außer dass er nicht Esel sein darf, weil Esel bereits der Sohn eines anderen Vaters ist. Wenn nun jeder Vater genau einen der beiden Söhne hat und jede Mutter ebenfalls gen
Eine helle Büroküche. Eine Frau im Kostüm steht am Kopierer und seufzt. Zwei Männer im Hintergrund tragen Anzüge mit Schulterpolstern und bunte Krawatten, sie trinken Kaffee. Sprecher: "Ein harter Arbeitstag. Der Chef redet wieder ohne Pause. Der Kopierer streikt. Die Männer verstehen wieder nur Bahnhof. " Die Tür geht auf. Ein großer Mann und ein kleinerer, fast gleich aussehender Mann kommen herein. Der Große trägt ein tragbares Kofferradio, der Kleine eine Kassette. Frau: "Was ist das denn?" Der Kleinere: "Esel und Teddy." Der Größere: "Der Podcast für Frauen, die auch mal hören wollen, wie
Auf dieser Bank im Park sitzen zwei Männer, die fast gleich aussehen. Der eine ist etwas älter und etwas größer, der andere etwas jünger und kleiner. Ansonsten könnten sie beinahe Brüder sein: ähnliche Kleidung, ähnliche Haltung und dieselbe konzentrierte, aber irgendwie auch verschmitzte Miene. Zwischen ihnen liegt ein Blatt Papier. Ich schätze mal, es ist eine Liste. Der Größere hält einen Kugelschreiber in der Hand, der Kleinere beugt sich immer wieder vor, um besser sehen zu können. Hin und wieder zeigt einer auf eine Zeile. Dann reden sie leise miteinander, nicken sehr ernst oder schüttel
Johann Caspar Lavater glaubte im 18. Jahrhundert, auf der Stirn eines Menschen dessen Charakter lesen zu können. Wir wissen, dass das Unfug ist und versuchen es erst gar nicht. Uns reicht es, wenn Esel aus der Stirn den oder die zuständige Bundesministerin lesen kann. Zum Mitraten: https://www.bundesregierung.de/breg-de/bundesregierung/bundeskabinett (Das geht ganz einfach: Größer zoomen, so auf 200% je nach Viewport, langsam runterscrollen, dabei nur die Stirn anzeigen und die Namen oben drüber ignorieren.)
Das Momentum nach der Trinkpause
Valentina wusste nicht, warum sie beim letzten Mal so klug gewesen war, zu sagen: Alte Möbel, die keiner mehr braucht, gehen auch gerne mal kaputt. Und dann hatte sie genau so einen Schrank gekauft. Paraguay-Nussbaum, sagte der Händler auf dem Flohmarkt. Seltenes Holz. Sie kannte nur eine einzige Nussbaumsorte richtig gut, aber sie dachte: Ich rocke das. Jetzt stand das Ding in der Werkstatt, und es war hart anzugucken. Drei Schubladen klemmten, die Rückwand hatte einen Riss, und das linke Bein knickte ein, sobald man dagegenstieß. Ein sehr schweres Stück Arbeit. Valentina leimte, schliff, set
___ hat mir nur den Titel der Folge geschickt. Nur den Titel. Nicht den Inhalt, nicht die Richtung, nicht einmal ein halbwegs nettes „mach mal ungefähr so“, sondern bloß: "Die Schwere der Beschwerde". Und daraus soll ich nun Shownotes machen. Ich bin offenbar nicht mehr Mitpodcaster, sondern ein Beschwerdeverarbeitungsapparat mit Ohren. ___ Anfang steht also nicht die Idee, sondern die Lücke. Der Titel ist da, aber alles andere fehlt. Das ist gemein. Eine Beschwerde braucht Gewicht, braucht Anlass. Die Beschwerde soll schwer sein, und das ist sie je normalerweise, weil sie immer etwas mit entt
Der Reiseführer hatte geschrieben, man müsse sich die Höhe von Quito wie einen unsichtbaren Gegner vorstellen. Elena hatte das für Unsinn gehalten. Jetzt, auf zweitausendachthundert Metern, revidierte sie ihre Idee. Sie war gut in den Urlaub gestartet. Zwei Tage Küste, leichtfüßig, ohne Probleme. Dann Ecuador von unten nach oben, Bus um Bus, und plötzlich war die Luft dünn und der Kopf leer. Trotzdem stand sie um 6 auf der Dachterrasse des Hostels. Keine Minute Pause, das hatte sie sich vorgenommen. Die Reise war kurz, drei Wochen, jeder Tag zählte. Sie wollte nichts schonen, schon gar nicht s
Ich ging zum Rhein runter, obwohl ich den Rhein nie leiden konnte, nicht den Rhein selbst, sondern dieses Zum-Rhein-Runtergehen. Am Übergang von der Agentur zur Rheinpromenade stand ein Mann, der Teddy ähnlich sah, aber nicht Teddy war, schlimm genug Teddy allerdings, um mich sofort zu verärgern. Er sagte, er komme aus dem Jahr 2026. Ich sagte, das sei keine Information, sondern eine hanebüchende Belästigung. Er zog ein großes, flaches iPhone hervor, glatt und anmaßend, und zeigte mir darauf Fotos, die Sagrada Familia, weitergebaut als erlaubt, und einen Kassenzettel mit einem Datum, das es no
WM-Spezial 2026: Deutschland gegen Elfenbeinküste
Sehr geehrte Wikipedia-Redaktionen der Welt, hiermit bewerbe ich mich auf die Position des Erstbildes. Mir ist bewusst, dass diese Position bei Ihnen nicht ausgeschrieben wird, sondern auf einem komplexen, undokumentierten Konsensverfahren basiert, das jede Sprachversion eigenständig pflegt – manchmal über Jahre, manchmal über Nacht. Genau das macht für mich den Reiz aus. Ich bringe alles mit, was Sie suchen. Ich bin assoziationsoffen. Ich behaupte nichts Falsches, aber auch nichts Eindeutiges. Ich biete genug visuelle Information, um die nachfolgenden Bilder nicht überflüssig zu machen, und n
Ana sagte, beim ersten Tango spüre man die Bühne unter den Füßen wie heißen Sand. José verstand das nicht, bis er an diesem Mittwochabend am Hafen seinen ersten Schritt tat. Er war nervös. Anfängliche Schwierigkeiten, sagte er sich, das ist normal. Seine Schuhe schienen ihm fremd. Der Rhythmus, den er die ganze Woche gehört hatte, war plötzlich weg, als hätte ihn jemand aus dem Raum getragen. Er trat seiner Partnerin auf die Spitze, entschuldigte sich, trat sie noch einmal. Erst nach dem zweiten Lied fand er hinein. Wie wenn man einen Cocktail mixt und plötzlich merkt: jetzt stimmt die Mixtur.
Ente, Piano, Rom
Für die Shownotes war leider keine Zeit, sie werden nachgereicht.
Lieder leben, Lieder sterben, das möchte wohl keiner bestreiten. Falls aber doch, postulieren wir das einfach mal. Wenn das also unsere Annahme ist, können wir wohl auch annehmen, dass jedes Lied irgendwann noch einmal wiedergeboren werden möchte. Je häufiger, desto besser, denn umso mehr lebt es. Manche Lieder haben Glück und landen bei Sinéad O’Connor, Aretha Franklin oder Johnny Cash. Andere landen bei Esel. Das Cover ist nicht das Lied. Es ist ein anderes, oft merkwürdiges Wesen. Es steht vor dem Original und sagt: „Hallo, ich bin du, aber anders.“ Vielleicht sagt es auch: „Ich bin besser,
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