
Das Gespräch
Reden mit einem Menschen. Eine knappe Stunde lang. Eine Zumutung? Im Gegenteil: es ist die pure Verführung zum Zuhören.
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Reden mit einem Menschen. Eine knappe Stunde lang. Eine Zumutung? Im Gegenteil: es ist die pure Verführung zum Zuhören.
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Beruf und Berufung gehören für die gelernte Psychotherapeutin Christa Mayer zusammen: Ihre ersten künstlerischen Fotografien entstanden, als sie in den 1980er Jahren Patientinnen und Patienten in der Langzeitpsychiatrie einer Klinik in Berlin-Wannsee portraitierte. Viele von ihnen begleitete Christa Mayer über Jahre hinweg. Ihre intensiven Aufnahmen geben einen tiefen Einblick in die "Seelenlandschaften". Als eine von wenigen Frauen entwickelte sie ihren Stil in der "Berliner Werkstatt für Photographie". Nach ihrem 80. Geburtstag plant Christa Mayer nun ihr nächstes Projekt. Britta Bürger hat
Fred Jacob ist einer der letzten Korbmachermeister. In seinem Laden in Berlin-Prenzlauer Berg hat er in dritter Generation Körbe geflochten, Thonet-Stühle repariert und Kunstobjekte aus Rattan und Binsen hergestellt. Doch nach über 40 Jahren hat er seinen Laden geschlossen und ist nach Brandenburg umgezogen, wegen der steigenden Mieten, und weil er sich als Handwerker im Prenzlauer Berg „wie ein Außerirdischer“ gefühlt hat. Fred Jacob ist 66 Jahre alt, aber an die Rente denkt er noch nicht. Er möchte arbeiten, solange er kann, sagt er im Gespräch mit Matthias Bertsch.
Regina Schilling befragt mit ihren Filmen die deutsche Geschichte und zugleich ihre eigene Biografie. In ihrem neuen Dokumentarfilm widmet sie sich der Schriftstellerin, die ihr als junge Leserin die Augen öffnete: "Ingeborg Bachmann. Jemand, der einmal ich war". Für diesen Film hat sie intensiv mit der Schauspielerin Sandra Hüller zusammengearbeitet. In früheren Projekten hatte die Dokumentarfilmerin westdeutsche Fernsehshows ihrer Kindheit untersucht, aber auch Künstler wie Joseph Bierbichler oder Igor Levit portraitiert. Britta Bürger hat mit Regina Schilling gesprochen.
Um sechs Uhr morgens spaziert Beate Blahy mit ihren Kranichküken durch die Wiesen und zeigt ihnen, wie man Schnecken und Grashüpfer fängt. Sie lebt mitten im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin mit Enten, Gänsen, Hühnern und den Kranichen. Die Küken zieht sie auf, weil Menschen sie unerlaubt aus dem Nest genommen haben, in der falschen Annahme, sie seien verlassen worden. Damit das nicht mehr vorkommt, müsste es viel mehr Aufklärung geben, sagt Beate Blahy. Informieren, Beispiel geben, überzeugen, darin ist Blahy geübt: Vor 36 Jahren hat sie den Menschen in der Uckermark beigebracht, dass da
Stricken boomt: Auf rund 400 Millionen Euro wird der Umsatz allein mit Strick- und Häkelgarnen geschätzt. Marisa Nöldeke erwirtschaftet mit ihrem Online-Shop "Maschenfein" einen einstelligen Millionenanteil. Doch Stricken ist für sie mehr als ein Geschäft, sagt sie: denn wer strickt, vernetzt sich mit anderen. Und das Stricken hat ihr dabei geholfen, mit einem Schicksalsschlag umzugehen. Kirsten Dietrich hat mit Marisa Nöldeke gesprochen.
Als Hebammenschülerin empfand Gerlinde Skupin die Situation für Frauen im Kreissaal oft als entwürdigend. Deswegen hat sie sich vor 35 Jahren entschieden, sich als Hausgeburtshebamme selbständig zu machen. Seitdem begleitet sie in Berlin vor allem Frauen, die ihr Kind zu Hause zur Welt zu bringen möchten, wenn keine vorhersehbaren Komplikationen drohen. Denn eine Geburt ist keine Krankheit, sondern etwas Natürliches und muss deswegen nicht in einer Klinik stattfinden. Matthias Bertsch hat mit Gerlinde Skupin darüber gesprochen, warum Gebären das Überschreiten einer Grenze bedeutet, wie sie die
Mit seinen geflogenen Kilometern könnte Albrecht Broemme mehrmals die Erde umrunden: Als Präsident des Technischen Hilfswerks (THW) arbeitete er in den Flüchtlingslagern in Jordanien, im vom Erdbeben zerstörte Haiti und nach der großen Flut im Ahrtal. Schon als Schüler hatte sich Albrecht Broemme beim THW engagiert, später bei der Freiwilligen Feuerwehr. Auch sein Vater war Nothelfer. Er nahm den Jungen mit zu schweren Autounfällen, um ihn "an den Anblick von Leichen zu gewöhnen", sagt Broemme heute. Als Präsident des THW hat Albrecht Broemme sich für die psychologische Hilfe für Helfende eing
Sein Engagement für Gerechtigkeit gehört für Fabian Retschke untrennbar zu seinem Glauben. In Dresden geboren und in Wittichenau in der sorbischen Oberlausitz aufgewachsen, wurde er einer katholischen Familie groß und wollte schon als Jugendlicher Priester werden. Im Theologiestudium lernte er die Jesuiten kennen und trat 2017 in die Gesellschaft Jesu ein. Nachdem zwei Jahren in der Jugendarbeit des Canisius-Kollegs in Berlin promovierte er in Bogotá, Kolumbien. Seit 2025 ist er Kaplan im Berliner Südwesten und Mitarbeiter des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes Deutschland. Vera Kröning-Menzel hat m
Am 14. Februar 2026 starb die Künstlerin Henrike Naumann überraschend im Alter von 41 Jahren, da war sie mitten in der Vorbereitung der Gestaltung des Deutschen Pavillons der Kunstbiennale in Venedig. Posthum wurde der Pavillon unter dem Titel ‚Ruin’ in Zusammenarbeit mit Naumanns Studioteam, der Künstlerin Sung Tieu und Kuratorin Kathleen Reinhardt fertiggestellt. Bekannt geworden war die in Zwickau aufgewachsene Henrike Naumann mit raumfüllenden Möbelinstallationen. Ihr zentrales Thema war lange die deutsche Geschichte, insbesondere die Radikalisierung nach rechts. Seit 2021 hatte Henrike Na
Sie war eine geschätzte und vielfach ausgezeichnete Zeitzeugin, die in Schulklassen von ihrem Leben erzählte: Als Einzige ihrer jüdischen Familie hatte Margot Friedländer den Holocaust überlebt. Mehrfach war sie der Gestapo entkommen, dann wurde sie nach Theresienstadt deportiert. 1946 wanderte sie mit ihrem Mann in die USA aus. Doch nach über 60 Jahren kehrte Margot Friedländer aus New York in ihre Heimatstadt Berlin zurück, um hier zu leben, sich als Zeitzeugin zu engagieren und ihre Botschaft "Seid Menschen!" zu verkünden. Kurz nach ihrem Umzug hat Magdalena Kemper mit ihr über Mut, Trauer
Die Diakonie gehört zu den größten Arbeitgebern in Deutschland: Rund 687.000 Hauptamtliche und etwa 700.000 Ehrenamtliche sind in den Einrichtungen des evangelischen Wohlfahrtsverbands beschäftigt. Seit 2024 ist der Theologe Rüdiger Schuch Präsident der Diakonie und in dieser Funktion vor allem dafür zuständig, die Interessen des Verbandes in Politik und Gesellschaft zu vertreten. Welchen Einfluss er hat, warum Kirche und Diakonie ein eigenes Arbeitsrecht haben und welche Herausforderungen er für den Sozialstaat mit Blick auf die aktuellen Krisen sieht, darüber spricht Rüdiger Schuch mit Ulrik
Die gehobene italienische Küche und Königsberger Klopse gehören für die Autorin und Grafikerin Patrizia Di Stefano gleichermaßen zu ihrer Kindheit, denn ihre Eltern prägten beide mit den jeweiligen Lieblingsrezepten ihren Geschmack. Im Restaurant ihres Vaters "Il Gattopardo" traf sich die West-Berliner Schickeria. Zu Hause sollte jedoch möglichst alles deutsch sein. Deshalb lernte Patrizia Di Stefano kein Italienisch; trotzdem wurde sie wegen ihrer Herkunft beschimpft. Heute schätzt Patrizia Di Stefano die Mischung vom Besten aus beiden Kulturen. Katrin Heise hat mit ihr über ihre deutsch-sizi
Carmen Scheibenbogen ist zu einem Gesicht des Kampfes gegen Long Covid geworden, einer Krankheit, die körperlich erschöpft und sozial ausgrenzt. Schätzungen rechnen mit bis zu einer Million Fällen in Deutschland. Wer daran erkrankt ist, ringt auch lange nach Ende der akuten Infektion um seine körperliche und intellektuelle Leistungsfähigkeit. Carmen Scheibenbogen hat sich an der Berliner Charité schon lange vor der Pandemie mit einem Krankheitsbild beschäftigt, das in der Medizin lange nicht ernst genommen wurde. Die Ärztin erforscht die langfristigen Folgen von Infektionskrankheiten, die bis
Das gibt es selten: Eine Buchpremiere im Stadion des FC Union Berlin. Torsten Schulz stellte dort „Kindheit mit Jimmy oder Die Kunst zu dribbeln“ vor, ein Buch über seine Kindheit und den legendären Union-Spieler Günther „Jimmy“ Hoge. Immer wieder kehrt der Schriftsteller in seinen Büchern ins Ost-Berlin der 1960er und -70er Jahren zurück, wie in „Boxhagener Platz“ oder „Mein Skandinavisches Viertel“. In den 1980er Jahren studierte Schulz an der Filmuniversität Babelsberg, später wurde er dort Professor für Praktische Dramaturgie. Heute sieht er dort einiges kritisch. Frank Meyer hat mit ihm g
Wenn man mit Astrid Leicht über Drogenkonsum redet, dann spricht sie mit einem ganz grundsätzlichen Respekt vor den Einzelnen und ihren Lebensentscheidungen. Seit knapp 40 Jahren macht die Berlinerin Sozialarbeit mit und für Drogensüchtige und setzt sich für Verbesserungen in der Gesundheits- und Drogenpolitik ein. Im Jahr 1989 hat sie den Verein "Fixpunkt" gegründet, dem sie inzwischen als Geschäftsführerin vorsteht. Kirsten Dietrich hat mit Astrid Leicht gesprochen.
Als Jugendlicher interessierte sich Tomer Dotan-Dreyfus nicht für Politik. Das änderte sich im Jahr 2002, als die israelische Armee einen Anschlag auf einen hochrangigen Hamas-Führer im Gaza-Streifen verübte. Damals wurden viele Unschuldige getötet und sein Theaterlehrer brachte Tomer Dotan-Dreyfus dazu, sich in die Rolle der Angehörigen hineinzuversetzen. Seitdem weigert er sich, die Palästinenser nur als Feinde zu sehen. Er hat seinen Militärdienst in Israel abgebrochen und das Land verlassen; inzwischen lebt er in Berlin. Matthias Bertsch hat mit ihm über sein jüngstes Buch „Keinheimisch: K
Annika Kahrs hat ein Faible für die Melancholie verlassener Orte: Ehemalige Kirchen, Dörfer oder Kaufhäuser. An diesen Orten, die für die Gemeinschaft von Menschen geschaffen wurden, inszeniert die Künstlerin komplexe Videoarbeiten, geprägt durch Sounds, Musik und Performances. Im Mittelpunkt stehen Profi- und Laiendarsteller, manchmal auch Vögel oder Giraffen. Noch bis zum 3. Mai 2026 ist Annika Kahrs Werk der letzten 16 Jahre in einer Ausstellung im Hamburger Bahnhof in Berlin zu entdecken. Britta Bürger hat mit ihr gesprochen.
Pascale Hugues ist eine französische Berlinerin. Seit 1989 berichtet sie für französische Zeitungen aus der deutschen Hauptstadt. Sie schreibt auch für den "Tagesspiegel": Über die Macken und Schönheiten Berlins, zum Beispiel über die Ähnlichkeiten der Stadt mit Straßburg, ihrer Heimat im Elsass. In ihrem neuen Buch "So voller Leben" erzählt Pascale Hugues von ihrer Mutter, die an einer bipolaren Störung litt und sich das Leben nahm. Doch außerhalb der depressiven Phasen hat Pascale Hugues ihre Mutter auch als mutige und freie Frau erlebt, sie hatte "zwei Mütter in einer", wie sie schreibt. Fr
"Ich bin nicht wie die Kriegstreiber." Das war die Haltung der US-amerikanischen Berlinerinnen und Berliner, als sie zu Beginn des Irakkriegs vor über 20 Jahren den Verein "American Voices Abroad Berlin" gegründeten. Eine von ihnen war Ann Wertheimer. Heute ist Ann Wertheimer Vorsitzende des Vereins und erhebt ihre Stimme gegen Trump-Amerika. Ihre Eltern waren vor den Nazis aus Deutschland in die USA geflohen. 1971 ging sie als Lehrerin für ein Austauschjahr nach Berlin und blieb – wegen der aufregenden Stadt und der Liebe zu ihrem späteren Ehemann. Katrin Heise spricht mit Ann Wertheimer über
Farben beeinflussen die Konzentration, das Wohlbefinden und sogar den Heilungsprozess. Das zeigen die Studien von Prof. Dr. Axel Buether von der Universität Wuppertal. Dank seiner Farbkonzepte für Krankenhäuser sind die Menschen dort zufriedener: die Mitarbeitenden melden sich seltener krank und die Patienten brauchen weniger Beruhigungsmittel. Axel Buether hat immer wieder neue Wege eingeschlagen: Zuerst war er Steinmetz, später hat er als Architekt gearbeitet und für die EXPO 2000 in Hannover einen vielbeachteten Multimedia-Pavillon entworfen. Heute gestaltet er Krebsstationen, Schulen oder
Krieg und Gewalt, Frieden und Freundschaft, Feminismus und Gender. Diese Themen ziehen sich durch das Leben und Werk von Elfi Mikesch. Seit sechs Jahrzehnten ist die 85-jährige regelmäßiger Gast der Berlinale, denn als Kamerafrau hat sie viele Filme von Monika Treut, Rosa von Praunheim und Werner Schroeter gestaltet. Als Regisseurin sucht sie nach neuen Verbindungen von Fiktion und Dokumentation. Im Rahmen der Berlinale 2026 wird Elfi Mikesch mit dem Ehrenpreis der deutschen Filmkritik ausgezeichnet. Britta Bürger hat mit ihr gesprochen.
Ihre Bücher sind schmal, vielfach preisgekrönt und haben es in sich. Die Rezensenten bescheinigen ihr „aufgekratzte Melancholie“, Mitmenschlichkeit und dosierte Sentimentalität. Katja Lange-Müller, die rebellische Funktionärstochter aus Ost-Berlin, verließ die DDR 1984. Ihre Bücher dokumentieren diese Zerrissenheit zwischen West und Ost und sind dabei manchmal außerordentlich komisch. Magdalena Kemper hat im Jahr 2009 mit ihr über „Enten, Frauen und die Wahrheit“ (so der Titel eines ihrer Bücher) und das, was dazwischen liegt, gesprochen. Eine Wiederholung anlässlich des 75. Geburtstags von Ka
Eigentlich wollte Thomas Krüger im Jahr 2016 nur Urlaub in Paris machen, doch dann entdeckte er am Flughafen ein Klavier. Er setzte sich hin und spielte einfach drauflos: ein Meadley aus bekannten Pop-Songs. Seine Mutter filmte ihn dabei und stellte das Video online. Es ging viral und machte den Berliner zu Deutschlands bekanntestem Piano-YouTuber. Inzwischen hat sein Kanal "Mr. Pianoman" fast eine Million Abonnenten und Thomas Krüger gibt Konzerte. Nach wie vor improvisiert er gern auf öffentlichen Klavieren, auch in Marzahn, dem Bezirk, in dem er aufgewachsen ist und dem er sich sehr verbund
Wenn Theater mit dem Publikum kommuniziert und es unterhält, dann ist es gutes Theater, findet André Nicke. Er ist Schauspieler, Regisseur und Intendant der Uckermärkischen Bühnen Schwedt. Immer wieder bringt er DDR-Stoffe wie die „Spur der Steine“ auf die Bühne und hat damit bei seinem Publikum großen Erfolg. Der gebürtige Bautzner versteht sich als ostdeutscher Theatermacher und sagt, das Theater sei in den besten Momenten eine „Selbstermächtigung des Publikums“. Über die Vielfalt der Produktionen, die Sanierung des großen Hauses in Schwedt und die Besonderheit des Theaters in der ostdeutsch
Ob Theater mit Demenzerkrankten, Aufführungen in Nachbarschaftszentren oder ein Projekt an dem sich eine migrantische Familie mit einem behinderten Kind beteiligt - die Theaterpädagogin Hülya Karçi empfindet ihre Arbeit als politisch. Denn ihr geht es darum, das Miteinander der Menschen und ihr Interesse aneinander zu stärken, weil sie beobachtet, dass dies in der Gesellschaft zunehmend verloren geht. Schon als junge Frau engagierte sich Hülya Karçi politisch in der Türkei und wurde deswegen inhaftiert. "Das Leben ist politisch!", sagt sie. Seit über 25 Jahren lebt und arbeitet sie in Berlin.